Stadt Wien gedenkt Nuklearkatastrophen: „40+15 – Die langen Schatten von Tschernobyl und Fukushima“

Wien (OTS) – Diese Woche fand im Wiener Rathaus die Veranstaltung
„40+15 – Die
langen Schatten von Tschernobyl und Fukushima“ statt. Anlässlich des
40. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie des 15.
Jahrestags von Fukushima kamen Vertreter*innen aus Wissenschaft,
Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Auch eine Wiener Schulklasse,
die zuvor in einem Workshop das Thema Atomkraft ausführlich
behandelte, nahm teil. Organisiert wurden die Veranstaltung und der
Workshop von der Wiener Umweltanwaltschaft in ihrer Eigenschaft als
Atomschutzbeauftragte für Wien.

„Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Folgen von
Atomunfällen über Generationen hinweg spürbar bleiben und keine
Grenzen kennen. Umso wichtiger ist es, die richtigen
energiepolitischen Lehren daraus zu ziehen“, betont Wiens
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Vorsitzender der Cities for a
Nuclear Free Europe.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die bis heute sichtbaren
Auswirkungen beider Katastrophen in ökologischer, gesellschaftlicher
und politischer Hinsicht. Gleichzeitig wurde deutlich, dass zentrale
Fragen der Atomenergie weiterhin ungelöst sind. Dazu zählen die
sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle, die hohen Kosten für
Rückbau und Neubau sowie die Risiken schwerer Unfälle.

Stadtrat Czernohorszky erklärt: „Vier Jahrzehnte nach Tschernobyl
und 15 Jahre nach Fukushima ist klar: Die Risiken der Atomkraft sind
nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart. Die Ereignisse haben uns
eindrücklich vor Augen geführt, dass selbst hochentwickelte
Technologien katastrophale Folgen haben können.“

Zwtl.: Gemeinsame Resolution aller Parteien

Im Zuge der Veranstaltung wurde eine gemeinsame Resolution aller
im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien vorgestellt, welche die
kritische Haltung der Stadt Wien zur Nutzung der Kernenergie
bekräftigt. Darin wird festgehalten, dass Atomenergie weder eine
nachhaltige noch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die Zukunft
darstellt. Insbesondere lange Bauzeiten, hohe Kosten und ungelöste
Entsorgungsfragen zählen zu den wichtigsten Herausforderungen.

„Diese parteiübergreifende Resolution zeigt, dass Wien in dieser
zentralen Frage geschlossen auftritt. Eine sichere, klimafreundliche
und zukunftsorientierte Energiepolitik kann nur auf erneuerbaren
Energien und Energieeffizienz basieren und nicht auf Technologien mit
ungelösten Risiken“, so Stadtrat Czernohorszky.

Besondere Aufmerksamkeit galt zudem den sicherheitspolitischen
Dimensionen der Kernenergie. Der Krieg in der Ukraine und die
Gefahren rund um das Kernkraftwerk Saporischschja verdeutlichen, dass
Atomkraftwerke auch zu geopolitischen Risikofaktoren werden können.

„Atomenergie ist nicht nur eine Frage der Technik oder
Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Sicherheit und geopolitischen
Stabilität. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie verwundbar diese
Infrastruktur ist“, so Wiens Umweltanwältin Iris Tichelmann.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Bundesregierung und die
Europäische Union aufgefordert, sich weiterhin klar gegen die
Förderung der Atomenergie auszusprechen und öffentliche Mittel
konsequent in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und nachhaltige
Infrastruktur zu investieren.

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter
https://presse.wien.gv.at/bilder abrufbar. (Schluss)