Wien (OTS) – 122 Millionen Euro haben die Menschen in Österreich im
Vorjahr
testamentarisch an gemeinnützige Einrichtungen gespendet – ein neuer
Höchststand. Das geht aus einer Hochrechnung des Fundraising Verband
Austria hervor. Fast 12% aller Spenden in Österreich entfalten ihre
Wirkung somit erst nach dem Ableben der Spendenden. In den
vergangenen zehn Jahren ist das Testamentsspenden-Aufkommen um über
120% gewachsen, zugleich hat auch das Interesse an dieser Spendenform
enorm zugelegt. Die Gründe liegen im demografischen Wandel hin zu
mehr kinderlosen Personen und mehr Menschen im Pensionsalter sowie im
gleichzeitigen Wunsch, mit dem eigenen Vermögen positive Spuren zu
hinterlassen, weiß Ruth Williams, Geschäftsführerin des Fundraising
Verband Austria. Heute setzten Vertreter:innen Österreichischer
Hilfsorganisationen in Schönbrunn ein Zeichen des Danks.
„Spendenzwecke im letzten Willen zu verankern, liegt international im
Trend. Auch in Österreich beobachten wir seitens der Initiative
„Vergissmeinnicht“, die seit 2012 kostenlos und neutral über die
Möglichkeit eines Vermächtnisses für den guten Zweck informiert, Jahr
für Jahr einen steigenden Zuspruch zu dieser Spendenform“ , gibt Ruth
Williams Einblick und verweist zugleich auf die tragende Funktion von
Testamentsspenden für das heimische Spendenwesen: „Jeder neunte
Spendeneuro Österreichs stammt aus einem Testament und finanziert
wichtige gemeinnützige Anliegen wie Kinderhilfe, Pflege, Bildung,
Forschung und Wissenschaft, Kultur, oder Tier-, Umwelt- und
Klimaschutz. Viele notwendige Programme des Dritten Sektors könnten
ohne diese entscheidenden Mittel nicht finanziert werden.“
Zwtl.: Spendende möchten über den Tod hinaus Gutes tun
Über die Beweggründe von Menschen, die per Testament spenden,
weiß Markus Aichelburg , Leiter von „Vergissmeinnicht – Die
Initiative für das gute Testament“ Bescheid. Die von 100
gemeinnützigen Organisationen aus ganz Österreich gemeinsam getragene
Initiative informiert nicht nur kostenlos mit Veranstaltungen und
digitalen Services in Kooperation mit der Notariatskammer, sondern
führt auch regelmäßig Umfragestudien zum Thema Erben durch. „Immer
mehr Menschen entscheiden sich dafür, die wertvolle Arbeit
gemeinnütziger Einrichtungen über das eigene Leben hinaus zu
unterstützen. Dahinter steht primär der Gedanke an einen
sinnstiftenden Nachlass: Laut Umfrage unter 2.000 Personen über 40
Jahre möchten 56% der Befragten mit einer Testamentsspende auch nach
ihrem Ableben Gutes bewirken. 38% nennen den persönlichen Bezug zu
einer bestimmten Organisation als Grund und 36% möchten nicht, dass
ihr Vermögen nach dem Tod an den Staat geht“, so Aichelburg .
Zwtl.: Vor allem kinderlose Personen spenden per Testament
Tendenziell vererben Österreichs Testamentsspender:innen im
Schnitt 50.000 bis 100.000 Ꞓ. Zu über 90% stammen Testamentsspenden
von alleinstehenden und kinderlosen Personen. Unter den präferierten
Spendenzwecken sticht der Tierschutz hervor, gefolgt von den
Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales sowie Hilfe für Kinder und
Jugendliche. Unter der Gesamtbevölkerung über 40 Jahre kann sich
mittlerweile fast ein Fünftel gut vorstellen, die gesamte Erbschaft
einmal gemeinnützigen Anliegen zu widmen. 23% der Befragten würden
Vereine als Ersatzerben einsetzen, für den Fall, dass die
eigentlichen Erb:innen frühzeitig versterben. Besonders groß ist das
Interesse unter kinderlosen Personen. Rund ein Drittel von ihnen ist
offen für eine Testamentsspende.
Zwtl.: Vergissmeinnicht-Pflanzen im Schlosspark Schönbrunn als
symbolisches Danke
Alljährlich im April treffen die Vertreter:innen der 100
Vergissmeinnicht-Mitglieder aus allen gemeinnützigen
Wirkungsbereichen zusammen, um sich bei ihren Spender:innen durch das
gemeinsame Pflanzen von blühenden Vergissmeinnicht symbolisch zu
bedanken. In diesem Jahr fand die gemeinsame Aktion am 8. April im
Schlosspark Schönbrunn statt und wurde noch um eine Facette
erweitert, wie Ruth Williams verrät: „Um den zahlreichen
Testamentsspender:innen in Österreich tausendfach Danke dafür zu
sagen, dass ihr Lebenswerk im Wirken gemeinnütziger Organisationen
weiterlebt, verteilten die Mitglieder der Initiative eintausend
Blumentöpfe mit Vergissmeinnicht-Samen in der Bevölkerung. Denn jede
Testamentsspende sät den Samen für neue, wertvolle Projekte, die ohne
diese Spende nicht möglich wären. Der Vergissmeinnicht-Samentopf soll
an alle erinnern, die über ihr Leben hinaus Gutes getan haben – sie
bleiben unvergessen!“
Zwtl.: Testamentsspenden helfen in allen gemeinnützigen Bereichen
Die vom Fundraising Verband Austria ins Leben gerufene Initiative
„Vergissmeinnicht“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, flächendeckend
zum Thema Testamentsspende und Erbrecht aufzuklären. Die 100
Mitglieder verbindet die Überzeugung, dass man mit einem Vermächtnis
für den guten Zweck über das eigene Leben hinaus Gutes tun kann. Dazu
zählt auch die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen
Österreichs, in der Testamentsspenden eine lange Tradition haben :
„Seit über 60 Jahren unterstützen Menschen mit ihrem letzten Willen
unsere umfangreiche Arbeit. Daraus hat sich eine Kultur der
Beziehungspflege und des Miteinanders zwischen
Testamentsspender:innen und uns entwickelt. Dank ihrer großzügigen
Zuwendungen können wir auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten
Beratungen und Hilfsmittel für unsere Mitglieder anbieten“, so Sonja
Premur , Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs.
Auch im Umweltschutz bewirken Erbschaften Großes, weiß Jasmin Zuba
von Greenpeace:
“Immer mehr Menschen möchten über ihr eigenes Leben hinaus
Verantwortung übernehmen – für ihre Liebsten und auch für die Umwelt,
in der sie leben. Greenpeace nimmt kein Geld von Politik oder
Unternehmen. So sind wir ausschließlich dem Schutz unserer Umwelt
verpflichtet. Testamentsspenden tragen entscheidend dazu bei, diese
Unabhängigkeit auch langfristig abzusichern und unseren Einsatz für
die Umwelt dauerhaft zu ermöglichen.”
Zwtl.: Weniger als ein Drittel der über 40-Jährigen mit Testament
vorgesorgt
Generell ist der Informationsbedarf beim Thema Erben sehr groß:
Nur 31% der Personen über 40 haben bereits ein Testament gemacht. 50%
bezeichnen sich als wenig bis gar nicht über das Erbrecht informiert.
In den kommenden Wochen informiert die Initiative
„Vergissmeinnicht“ daher im Rahmen der „Wochen des guten Testaments“
in ganz Österreich – von Mattersburg bis Hohenems – bei kostenfreien
Informationsveranstaltungen gemeinsam mit lokalen Notar:innen. Alle
Termine: www.vergissmeinnicht.at