Wien (OTS) – Im Vorfeld des Welt-Recycling-Tags weist die Initiative
ÖSTERREICH
SAMMELT auf die Folgen hartnäckiger Irrtümer rund um die getrennte
Sammlung von Verpackungsabfällen hin. Obwohl die Motivation für die
Mülltrennung in Österreich sehr hoch ist, sind Akteur:innen der
Abfallwirtschaft immer wieder mit denselben Mythen konfrontiert.
Manche davon haben spürbare, teils kostspielige Auswirkungen, weil
sie Fehlwürfe fördern und die Sortierung erschweren.
„Mülltrennen bringt nichts – am Ende kommt alles wieder zusammen
und wird verbrannt“, oder „Weiß- und Buntglas wird im LKW sowieso
wieder vermischt“ – Sätze wie diese haben wahrscheinlich die meisten
Menschen schon einmal gehört. Für die Akteur:innen der
Abfallwirtschaft sind solche Fehlinformationen alles andere als
harmlos. Sie tragen dazu bei, dass wertvolle Rohstoffe verloren
gehen, und die Qualität der gesammelten Materialien durch Fehlwürfe
sinkt. In manchen Fällen können diese sogar gefährlich sein.
„Grundsätzlich ist die Motivation für die getrennte
Abfallsammlung in der Bevölkerung sehr hoch. Österreichs Haushalte
gehören zu den fleißigsten Sammler:innen in Europa“ , sagt Andreas
Pertl, Geschäftsführer der Verpackungskoordinierungsstelle (VKS) und
Sprecher der Initiative ÖSTERREICH SAMMELT. „Gleichzeitig glauben
aber immer noch viele Menschen an sogenannte Müllmythen – und das
stellt ein ernst zu nehmendes Problem für die Abfallwirtschaft dar
und erschwert hochwertiges Recycling in großem Umfang. “
Zwtl.: Die häufigsten Irrtümer und ihre Folgen
Laut einer repräsentativen Umfrage des Market Instituts für
ÖSTERREICH SAMMELT in 2025 glaubt beispielsweise ein Drittel (33
Prozent), dass Verpackungen aus Kunststoff im Restmüll wichtig seien,
damit die Müllverbrennung „die richtige Temperatur“ erreiche. Elf
Prozent glauben, dass Mülltrennung keinen Sinn ergibt, weil ohnehin
alles gemeinsam verbrannt werde. Weitere Irrtümer, mit denen
kommunale Abfallberater:innen bundesweit regelmäßig konfrontiert
sind, sind etwa der Glaube, Österreichs Verpackungsabfälle würden ins
Ausland gebracht und verschmutzten dort Umwelt und Meere; oder die
Überzeugung, Mülltrennung habe ohnehin keine Auswirkung für Umwelt
und Klima.
Irrtümer wie diese resultieren oft in Fehlwürfen – darunter
versteht man falsch entsorgte Abfälle. Und die sind nicht nur ein
Ärgernis für die Abfallwirtschaft, sondern haben konkrete Folgen.
Verunreinigungen in der getrennten Sammlung (bspw. Leicht- und
Metallverpackungen) erhöhen den Aufwand und führen zu mehr
Stillständen in Sortieranlagen und höheren Kosten – nicht nur dort,
sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wertstoffe wie
Kunststoff, Papier, Glas und Metall gehen weitgehend verloren, wenn
sie im Restmüll landen. Richtig getrennt können sie hingegen recycelt
werden: Es werden daraus wieder neue Verpackungen und andere Produkte
hergestellt.
Gleichzeitig stellen manche Fehlwürfe ein Sicherheitsrisiko dar.
Insbesondere falsch entsorgte Lithium-Batterien (etwa aus E-
Zigaretten/Vapes, Spielzeug oder Kleingeräten) gelten als Treiber
einer steigenden Zahl von Bränden in Sammel- und Sortierprozessen.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) verweist auf 36
größere Brandereignisse im Jahr 2025 in Österreichs Entsorgungs- und
Recyclingbetrieben; in mehreren Fällen gelten falsch entsorgte
Lithium-Batterien als vermutete Ursache. Branchenquellen schätzen
zudem, dass es in Österreich zu bis zu 240 batteriebedingten
Brandereignissen pro Jahr in der Abfallwirtschaft kommt.
Zwtl.: Mit Fakten gegen Irrtümer
Pertl: „Im Kern ist es einfach: Recycling steht und fällt damit,
dass Verpackungen und andere Wertstoffe richtig – also getrennt –
gesammelt werden, im Haushalt genauso wie im Betrieb. Dafür braucht
es vor allem eines: klare, verlässliche Information. Genau hier
setzen wir mit ÖSTERREICH SAMMELT an.“
Im Vorfeld des Welt-Recycling-Tags bündelt ÖSTERREICH SAMMELT
daher die häufigsten Irrtümer in einem Mythen-Check und zeigt
kompakt, was tatsächlich stimmt und was Fehlglaube ist (siehe unten).
Zudem übersetzt ÖSTERREICH SAMMELT die wichtigsten Regeln zur
Abfalltrennung in leicht verständliche, alltagstaugliche Information
– niederschwellig, verständlich und nah an der Alltagsrealität. Über
Social Media, Kampagnen und die Informationsplattform www.oesterreich
-sammelt.at stellt die Initiative praktische Trenntipps und
Checklisten zur Verfügung, die typische Unsicherheiten im Alltag
schnell klären.
„Wir glauben an eine Zukunft, in der möglichst viel Abfall
vermieden und nahezu alle Verpackungen recycelt werden. Das beginnt
im Kleinen – zu Hause in der Küche oder im Betrieb, bei jeder Wegwerf
-Entscheidung. Und ja: Ein bisschen sportlicher Ehrgeiz hilft: Je
höher die Trefferquote beim richtigen Einwurf, desto besser die
Recyclingqualität“ , schließt Pertl.
Zwtl.: Hinweis für Medien:
Andreas Pertl, Sprecher ÖSTERREICH SAMMELT und Geschäftsführer
der Verpackungskoordinierungsstelle VKS, steht für Interviews zur
Verfügung.
Zwtl.: Top-5-Müllmythen im Faktencheck:
1. “Mülltrennen bringt nichts – am Ende landet alles wieder
zusammen und wird verbrannt!”
Fakt: Hartnäckig, aber falsch. Was getrennt gesammelt wird, wird
separat verarbeitet. Wertstoffe können dadurch recycelt werden, aus
ihnen werden also wieder neue Verpackungen und andere Produkte
hergestellt. Im Restmüll werden diese recycelbaren Materialien
verbrannt.
2. “Weiß- und Buntglas wird im LKW sowieso wieder vermischt”
Fakt: Falsch. Für hochwertiges Recycling muss Weißglas getrennt
von Buntglas gesammelt werden. Sammel-LKW haben dafür eigene Kammern,
weil schon kleine Beimischungen von Buntglas im Weißglas dafür sorgen
können, dass die erforderliche Weißglas-Farbqualität nicht mehr
erreicht wird.
3. “Verpackungsabfälle kommen eh ins Ausland und verschmutzen
dort Umwelt und Meere.”
Fakt: Kunststoffverpackungen werden in Sortieranlagen in
Österreich für ein Recycling vorbereitet und je nach Kunststoffart
auch rezykliert. In manchen Fällen werden Sortier- und
Recyclinganlagen im EU-Raum beauftragt, wenn diese gerade benötigte
Kapazitäten frei haben, die Transportwege kürzer sind oder wenn sie
Technologien einsetzen, die in Österreich nicht verfügbar sind. Sie
entsprechen immer mindestens dem Stand der Technik der
österreichischen Sortier- und Recyclinganlagen.
4. “Plastik im Restmüll ist wichtig, damit in der
Müllverbrennungsanlage die richtige Temperatur bzw. Heizwert erreicht
wird.”
Fakt: Falsch. Der Heizwert von Restmüll (auch ohne
Kunststoffverpackungen) entspricht in etwa dem von Braunkohle und ist
somit ausreichend für die thermische Verwertung in
Verbrennungsanlagen. Ein zu hoher Heizwert führt dazu, dass die
Effizienz der Anlage zurückgeht, damit diese nicht überhitzt.
5. “Alle Produkte, die aus Kunststoff sind, gehören in die Gelbe
Tonne.”
Fakt: Produkte aus Kunststoff, wie zum Beispiel Kinderspielzeug,
sind keine Verpackungen. In der Gelben Tonne / im Gelben Sack werden
nur Verpackungen, wie Folien, Joghurtbecher und Plastikflaschen (etwa
Weichspüler- oder Putzmittelflaschen) gesammelt.