Wien (OTS) – – Für Interviews vor Ort: Camilla Mittelberger,
Delegationsleiterin
des Österreichischen Roten Kreuzes in Kiew (Deutsch)
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„Wir erleben hier den härtesten Winter seit Kriegsbeginn vor vier
Jahren, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad ohne Strom und Heizung.
Wir müssen tagelang ohne fließendes Wasser auskommen, nachts werden
wir von Luftalarmen geweckt. Viele Menschen haben keine Ersparnisse
mehr und müssen zwischen Essen oder Medikamenten entscheiden“,
schildert die Vorarlbergerin Camilla Mittelberger,
Delegationsleiterin des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) in der
Ukraine. „Alle sind erschöpft, fast jeder hat Angehörige verloren,
auch unsere Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem stehen wir unter
schwierigsten Bedingungen im Dauereinsatz.“
Mittelberger weiter: „Nicht nur Angriffe sind tödlich, auch der
Winter ist in der Ukraine lebensgefährlich. Ohne Wasser, ohne Heizung
werden die Menschen krank. Dabei sind 2.500 Gesundheitseinrichtungen
im Land beschädigt worden. Unsere mobilen Gesundheitsdienste helfen,
wo sie können.“
Das ÖRK ist seit 2014 in der Ukraine tätig und konnte seit
Kriegsbeginn im Februar 2022 mehr als 1,49 Millionen Menschen im Land
helfen:
– Mobile Gesundheitsteams bringen Pflege, Medikamente und ärztliche
Hilfe in die entlegensten Gebiete.
– Verteilung von Hilfsgütern
– Nothilfe mit Geld oder Gutscheinen, etwa für Heizmaterial oder
Reparaturen an zerstörten Häusern
– Notunterkünfte bereitstellen
11 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen
„Vor allem ältere Menschen, die oft alleine in abgelegenen
Gebieten zurückgeblieben sind, trifft der Winter hart. Unsere
Kolleginnen und Kollegen sind die einzige Hilfe, oft ihr einziger
sozialer Kontakt“, so Mittelberger. „Danke an jede Spenderin, jeden
Spender in Österreich – ohne Ihre Unterstützung könnten wir nicht
seit mehr als 1.400 Tagen für Menschen in Not in der Ukraine da sein.
Jede Spende zählt, damit wir unsere lebensrettende Arbeit fortsetzen
können! Knapp 11 Millionen Menschen in der Ukraine sind weiterhin auf
humanitäre Hilfe angewiesen.“
„Das Rote Kreuz ist selbst im kleinsten Dorf“
Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes:
„Die Hilfe der Rotkreuzbewegung hat bereits viele Millionen Menschen
erreicht – denn das Rote Kreuz ist selbst im kleinsten Dorf der
Ukraine. Tausende Helferinnen und Helfer leisten nach Angriffen
Nothilfe, betreiben ‚heating points‘, verteilen Hilfsgüter,
reparieren beschädigte Infrastruktur, kümmern sich um Menschen in
Notunterkünften, leisten medizinische und psychologische Hilfe.
Leider schwindet die internationale Unterstützung. Selbst wenn der
Konflikt morgen enden würde, wird der Wiederaufbau Jahrzehnte dauern.
Nicht zu vergessen die körperlichen und psychischen Folgen für ganze
Generationen. Bitte schauen Sie nicht weg!“
Schöpfer abschließend: „Ich erinnere daran, dass das Humanitäre
Völkerrecht (HVR) bedingungslos einzuhalten ist! Zivilpersonen,
humanitäre Helferinnen und Helfer oder zivile Infrastruktur wie
Krankenhäuser dürfen nicht angegriffen werden. Gefangene müssen
menschlich behandelt werden. Außerdem verbietet das HVR Waffen, die
unnötig schwere Verletzungen verursachen.“
Das Rote Kreuz bittet dringend um Spenden:
Österreichisches Rotes Kreuz
IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144
BIC: GIBAATWWXXX
Erste Bank: BLZ: 20.111
Kennwort: UKRAINE
Oder unter: wir.roteskreuz.at/ukraine