Alles Arbeit: Ausstellung zu Arbeit, Geschlecht und Sichtbarkeit im hdgö

Wien (OTS) – Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) zeigt ab 29.
Jänner 2026
die Ausstellung Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und
Sorgetätigkeit, Fotoarchiv Blaschka 1950–1966 auf dem Alma Rosé-
Plateau der Neuen Hofburg. Die Schau widmet sich der medialen
Darstellung von weiblicher Arbeit in der steirischen Nachkriegszeit
und verbindet historische Bildbestände mit aktuellen Debatten um
Sorgearbeit, Anerkennung und Ungleichheit. Alles Arbeit ist eine
Ausstellung des Museums für Geschichte, Graz (Universalmuseum
Joanneum), präsentiert in Zusammenarbeit mit dem hdgö.

Ein Job mit Gehalt? Verpflichtungen im Haushalt? Eine Aufgabe,
die gemacht werden muss? Zu tun gibt’s immer etwas. Manche
Tätigkeiten bringen Anerkennung und Lohn. Andere fallen einfach an –
unbezahlt, unsichtbar und meist von Frauen erledigt. Aber: Ist das
nicht alles Arbeit? Ausgangspunkt der neuen Sonderausstellung im hdgö
ist das Archiv der Grazer Pressefotoagentur „Foto Blaschka“. Rund
60.000 Negative umfasst die Sammlung jener Bilder, die in den 1950er-
und 1960er-Jahren für die Lokalredaktion der Kleinen Zeitung
entstanden sind. Die Ausstellung konzentriert sich auf historische
Fotografien, die Frauen bei unterschiedlichen Tätigkeiten zeigen und
thematisiert wirtschaftliche, soziale und mediale Rahmenbedingungen
der frühen Zweiten Republik.

„ Das hdgö versteht Gegenwart als historisch gewachsen – genau
wie die Ausstellung Alles Arbeit , die wir ab heute zeigen dürfen.
Sorgearbeit, Gender Pay Gap oder Altersarmut sind Themen, die aktuell
gesellschaftlich verhandelt werden, aber tief in historischen
Strukturen verankert sind. Die neue Sonderausstellung macht diese
Geschichte sichtbar und bietet Raum zur Diskussion “, sagt hdgö-
Gründungsdirektorin Monika Sommer.

Zwtl.: Kein „Wirtschaftswunder“ ohne Frauen

Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit wäre weder ohne
die (schlecht) bezahlte noch die unbezahlte Arbeit von Frauen möglich
gewesen. Während das „Wirtschaftswunder“ bis heute vor allem mit
industrieller Produktion und männlicher Erwerbsarbeit verbunden wird,
macht die Ausstellung sichtbar, dass Marktwirtschaft auf Care-Arbeit
beruht. Die Nachkriegszeit war stark von der Idee der Kleinfamilie
geprägt: männlicher Ernährer, weibliche Hausfrau und Kinder. Dieses
Modell bildete den gesellschaftlichen Rahmen, in dem Frauenleben
gedacht wurden –selbst, wenn Frauen erwerbstätig waren. Ihnen wurde
weiterhin die alleinige Verantwortung für die Sorge um den Haushalt
und seine Angehörigen zugeschrieben. Dabei waren 1951 39 Prozent der
Erwerbstätigen in Österreich weiblich.

Zwtl.: Vielfältige Lebensrealität, mehrfache Belastung

Je nach Milieu, Familienstatus oder Herkunft waren die
Erwartungen an Frauen unterschiedlich und oft widersprüchlich. In
bürgerlichen Haushalten galt der Rückzug aus dem Erwerbsleben mit der
Familiengründung als Ideal, während Erwerbsarbeit für viele Frauen
aus proletarischen Verhältnissen selbstverständlich war. Die
Sonderausstellung zeigt Frauen in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern:
in Industrie und Landwirtschaft, in Dienstleistungsberufen und
besonders häufig in Bereichen, die heute als „systemrelevant“ gelten
– etwa Betreuung, Pflege und Reinigung.

„ Dass Frauen mehrere Rollen übernommen haben, zeigen die
Fotoserien fast nie, Mehrfachbelastung wird kaum sichtbar. “, so
Kuratorin Eva Tropper. „ Wir zeigen die Bilder daher bewusst neben
und übereinander, um deutlich zu machen, wie sehr sich bezahlte und
unbezahlte Arbeit im Alltag vieler Frauen überlagert haben .“

Alleinstehende Frauen konnten in den 1950er- und 1960er-Jahren
kaum vom Lohn ihrer Arbeit leben. Ein eigenständiges Leben außerhalb
von Familie oder Ehe war strukturell nicht vorgesehen. Entsprechend
erscheint selbständige weibliche Existenz im Fotoarchiv Blaschka vor
allem im Zusammenhang mit Altersarmut. Auch politische und
öffentliche Arbeit von Frauen bleibt weitgehend unsichtbar.
Politische Arbeit von Frauen ist im Archiv kaum vertreten, obwohl die
Mehrheit der Wahlberechtigten weiblich war.

Zwtl.: Muster und Mechanismen, die unsichtbar machen

Die Bilder entstanden für die tägliche Berichterstattung der
Kleinen Zeitung und folgen wiederkehrenden visuellen Mustern: Frauen
erscheinen meist in ausführender Tätigkeit, Männer dagegen in
erklärenden, hierarchisch höher bewerteten Rollen. Häufig stehen
arbeitende Hände im Fokus, während die Frauen dahinter unsichtbar
bleiben. Vieles blieb undokumentiert und erscheint in der Ausstellung
als markierte Leerstelle. Was gedruckt wird und wie, entschied die
Redaktion durch Auswahl, Zuschnitt und Kontext. Die meisten der
Fotografien erschienen nie in der Zeitung. Die Ausstellung stellt
Fotoserien aus dem Archiv den publizierten Bildern gegenüber und
macht so die selektive Darstellung weibliche Arbeit sichtbar.
Auffällig ist dabei, wie Bildunterschriften Tätigkeiten einordnen und
deuten. Ergänzt wird dies durch großformatige rote Zitate aus
Interviews mit Frauen, die von ihrem eigenen Leben oder dem ihres
Umfelds erzählen und so in Alles Arbeit selbst wieder zu Wort kommen.

Zwtl.: Ein Archiv, zwei Biografien: Erika Blaschka – Arbeit ohne
Absicherung

Diese Themen verdichten sich exemplarisch in der Geschichte der
Agentur selbst. Foto Blaschka wurde 1947 von Egon Blaschka gegründet,
ab den späten 1950er-Jahren jedoch maßgeblich von Erika Blaschka
geführt. Sie organisierte den Betrieb, bildete Lehrlinge aus,
übernahm die häusliche Care-Arbeit und war in den 1960er-Jahren auch
selbst als Pressefotografin tätig – eine Ausnahme im männlich
dominierten Feld der Tagesberichterstattung. Ihre Geschichte wirft
zugleich die Frage nach Autorinnenschaft auf: Wie viele der
Fotografien im Archiv stammen tatsächlich von ihr? Zudem zeigt sich
an ihrem Lebensweg, dass Arbeit nicht automatisch mit Absicherung
einherging. Ihre Arbeit im Familienbetrieb kam ohne Pensionsanspruch.

Die Ausstellung Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und
Sorgetätigkeit, Fotoarchiv Blaschka 1950–1966 lädt Besucher*innen
aktiv ein, gesellschaftliche Debatten über Arbeit und Geschlecht neu
zu betrachten. Künstlerische Interventionen wie Kein Wunder und
Housewifes strike back sowie die interaktive Station am Ende der
Ausstellung verbinden das Thema mit der Gegenwart.

Programm und Kooperationen im Rahmen der Ausstellung