Ö1-Podcast: „Border Business – Das Geschäft mit Europas Grenzen“

Wien (OTS) – Kameras mit Gesichtserkennung, die in Flüchtlingslagern
jeden Schritt
registrieren. Algorithmen, die über Asylanträge entscheiden. Drohnen,
die Europas Grenzen in Echtzeit überwachen. Die EU verstärkt den
Grenzschutz – mit Hochsicherheitslagern und immer neuen
Kontrollsystemen. Dahinter steckt nicht nur Politik, sondern auch ein
wachsendes Business. Der vierteilige Ö1-Podcast „Border Business –
Das Geschäft mit Europas Grenzen“ erzählt, wer investiert, wer
profitiert – und wer verliert. Zu hören ist der Podcast, eine Ö1-
Produktion in Kooperation mit ORF Sound, ab 24. November auf ORF
Sound und überall, wo es Podcasts gibt. Die vier Folgen werden auch
im „Radiokolleg“ von 24. bis 27. November jeweils ab 9.05 Uhr in Ö1
ausgestrahlt. Die Informationen im Detail sind abrufbar unter
https://oe1.orf.at/borderbusiness .

Die beiden Journalistinnen Franziska Grillmeier und Anja
Troelenberg richten in „Border Business – Das Geschäft mit Europas
Grenzen“ den Blick auf ein Europa, das das Asylrecht neu definiert –
und dabei ein milliardenschweres Geschäft entstehen lässt. Wem dient
das neue System? Wer profitiert, wer verliert – und wer wird dabei
eigentlich geschützt? Als Podcast-Erzählerin ist Schauspielerin
Stefanie Reinsperger zu hören. Grillmeier und Troelenberg machen die
Entwicklungen der vergangenen Jahre hörbar. Sie reisen dorthin, wo
Europas neuer Migrationskurs entsteht: zu den meterhohen Zäunen in
Ungarn, vor das italienische Rückführungszentrum in Albanien, in das
Hochsicherheitslager auf der griechischen Insel Samos, auf eine
internationale Rüstungsmesse in Athen und nach Wien zu Ideengebern
der Migrationswende.

Zehn Jahre nach der großen Fluchtbewegung aus Syrien hat sich
Europas Grenzlandschaft radikal gewandelt. Wo einst nur Wälder
standen, erstrecken sich heute Hochsicherheitszonen mit
kilometerlangen Zäunen, überwacht von Drohnen und KI-gesteuerten
Kameras. Über 2.000 Kilometer Zaun trennen die EU inzwischen von
ihren Nachbarländern, 2015 waren es laut EU-Parlament 315 Kilometer.
Zwischen 2014 und 2022 hat die Europäische Union mehrere hundert
Millionen Euro für Projekte zur Entwicklung von Grenztechnologien
bereitgestellt. Finanziert wurden autonome Drohnenschwärme, KI-
Systeme, aber auch Forschungsprojekte zu Robotern für
Grenzpatrouillen, automatisierten Lügendetektoren oder Flugobjekten
in der Stratosphäre erhielten Mittel – allein in den „Stratobus“, ein
halbautonomes Luftschiff für Grenzüberflüge, flossen sieben Millionen
Euro. Hinter dieser Aufrüstung steckt ein lukratives Geschäft. Denn
das immer wieder neu definierte Migrationsmanagement ist längst nicht
mehr nur ein politisches Thema – es ist auch ein Markt. Für den
Zeitraum 2028 bis 2034 will die Europäische Kommission die Ausgaben
für das Grenzmanagement auf 48 Milliarden Euro verdoppeln.

Zwtl.: Border Business – ein milliardenschweres Geschäft

Am Montag, den 24. November startet der vierteilige Podcast
„Border Business – Das Geschäft mit Europas Grenzen“. Zu hören ist er
auf ORF Sound und im „Radiokolleg“ von 24. bis 27. November jeweils
ab 9.05 Uhr in Ö1. Am Montag, den 24. November geht es um „Das
Experiment: Schauplatz Albanien“. Ein Militärflugplatz in
Nordalbanien, hoch umzäunt, streng bewacht. Platz für 300 Menschen.
Hier will die EU testen, ob Asylverfahren auch jenseits ihres
Territoriums möglich sind. 2024 eröffnete Italien in Gjadër ein
Aufnahme- und Rückführungszentrum. Die Idee: Wer auf dem Weg von
Libyen auf dem Mittelmeer von der italienischen Küstenwache
abgefangen wird, wird hierhergebracht – registriert, untergebracht
und nach wenigen Wochen entweder abgeschoben oder nach Italien
überführt. Was tatsächlich hinter den Toren passiert, lässt sich nur
mühsam rekonstruieren. Seit der Inbetriebnahme haben Journalistinnen
und Journalisten keinen Zutritt. Für Bau und Betrieb sind mehr als
650 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren veranschlagt.
Nicht nur für Beton und Personal, sondern auch als politisches
Signal: Italien will Härte demonstrieren. Während Rom den Deal als
„historisches Pilotprojekt“ für ganz Europa feiert, warnen
Menschenrechtsorganisationen vor Rechtsbrüchen und fehlender
Transparenz.

Am Dienstag, den 25. November lautet der Titel „Der Zaun:
Schauplatz Ungarn“. Ungarn, 2015: Mitten in der Fluchtbewegung zieht
das Land einen doppelten Maschendrahtzaun hoch – damals ein
Tabubruch. Heute ist die Anlage mit Wärmebildkameras und
Bewegungssensoren ausgestattet. Aus Lautsprechern dringen
automatische Durchsagen, die Schutzsuchende in mehreren Sprachen vor
dem Übertritt warnen. In weniger als zehn Jahren ist die Gesamtlänge
physischer Barrieren an Europas Grenzen von 315 auf über 2.000
Kilometer angewachsen. Auch Österreich ist Teil dieser Entwicklung:
An der Grenze zu Serbien unterstützt es Ungarn mit der „Operation
Fox“, bei der Polizisten und Polizistinnen sowie Drohnen zum Einsatz
kommen. Zugleich prägen Ideen der internationalen Organisation ICMPD
(International Centre for Migration Policy Development) mit Sitz in
Wien die europäische Migrationspolitik – von digitalen Geldkarten für
Geflüchtete bis zu Plänen für Aufnahmelager in Drittstaaten.

„Die Technik: Schauplatz Griechenland“ ist Thema am Mittwoch, den
26. November. Im Hochsicherheitslager auf Samos regelt das
Einlasssystem „Hyperion“ die Ein- und Ausgänge über elektronische
Karten mit biometrischen Daten, während das Sicherheitssystem
„Centaur“ das gesamte Gelände mit KI-gestützten Kameras, Drohnen und
Sensoren überwacht. Eröffnet wurde das Lager 2021 – als erstes von
fünf neuen „Closed Controlled Access Centers“ (CCACs) auf den
ägäischen Inseln, die mit 276 Millionen Euro aus Brüssel finanziert
werden. Es ist die politische Antwort auf den Brand des
Flüchtlingslagers Moria. Das neue Prinzip lautet: Kontrolle. Die
neuen Camps entwickeln sich zunehmend zu haftähnlichen Einrichtungen.
Der Zugang bleibt streng limitiert – auch für Medien und humanitäre
Organisationen. Trotzdem gelten sie als Pilotprojekte an Europas
Außengrenzen. Und die Frage bleibt: Was passiert hinter den Kameras?

Am Donnerstag, den 27. November steht „Das Geschäft: Schauplatz
EU“ im Mittelpunkt. Drohnen, Militärfahrzeuge, Satellitentechnik –
auf der internationalen Verteidigungsmesse DEFEA in Athen präsentiert
die Sicherheitsindustrie ihre neuesten Produkte. Rüstungsfirmen
treffen auf Delegationen von Ministerien, Polizei und
Grenzschutzbehörden. Von dort führt die Recherche nach Brüssel, wo
nicht nur Leitlinien beschlossen, sondern auch enorme Summen verteilt
werden. Im Rahmen der EU-Verteidigungsinitiative „Readiness 2030“ (
vormals „ReArm Europe“) sollen bis zu 800 Milliarden Euro für
Verteidigung mobilisiert werden – so viel wie nie zuvor. Parallel
dazu steigt auch das Budget der Grenzagentur „Frontex“: Zwischen 2008
und 2024 zahlte sie Zuschüsse in Höhe von über zwei Milliarden Euro
aus – für Grenzüberwachung, Rückführungen und technisches Equipment.
Für den Zeitraum von 2028 bis 2034 schlägt die EU-Kommission eine
Erhöhung des Etats auf 11,2 Milliarden Euro vor. Geht es hier noch um
Sicherheit? Wer profitiert vom Grenzgeschäft? Und wer zahlt den
Preis? Die Informationen im Detail sind abrufbar unter
https://oe1.orf.at/borderbusiness .