Von Funkamateur:in zur/m Ingenieur:in

Wiener Neudorf (OTS) – Haben Sie heute schon ein Funkgerät in den
Händen gehalten? Nein? Wir
glauben schon. Vom Handy bis zur Freisprecheinrichtung – Alles
schickt heute elektromagnetische Wellen durch den Äther. Die
Grundlagen für die moderne Technik haben unter anderem die
österreichischen Funkamateur:innen geschaffen, die seit den 20-er-
Jahren des vorigen Jahrhunderts unermüdlich Tüfteln, Forschen und
Experimentieren. Im September 2026 feiert der Österreichische
Versuchssenderverband (ÖVSV) – die Vereinigung der Funkamateur:innen
mit rund 5000 Mitgliedern – im Volkstheater mit einem großen Festakt
samt Uraufführung eines eigens für diesen Anlass geschriebenen
Theaterstücks sein 100-jähriges Bestehen.

„CQ CQ, die Welt hört zu“ – mit einem Druck auf die Sprechtaste
des Funkgerätes geht es bei entsprechenden atmosphärischen
Bedingungen auf Kurzwelle rund um den Globus. In den Logbüchern
erfahrener Funkamateur:innen finden sich Erdteile und Länder wie
Australien, Japan, Neuseeland, Südamerika bis hin zu abgelegenen
Gebieten wie die Marshall Inseln. Weltweit sprechen die rund 2,8
Millionen „OMs“, die „Old Men“, oder die „YLs“, die „Young Ladies“,
wie sich die Männer und Frauen vor den Mikrophonen nennen,
miteinander und keiner wundert sich, warum der andere
Kommunikationsbedarf hat.

Funker:innen bilden eine globale Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe
ist dabei eine Selbstverständlichkeit. Nicht selten sind aus
Erstkontakten via elektromagnetischer Wellen über Ländergrenzen
hinweg enge Freundschaften entstanden.

Dabei werden ausgeklügelte digitale Übertragungsarten, Sprache
bis hin zum Morsecode für die Übertragung genutzt. Es werden
erstaunliche Reichweite bei geringer Sendeleistung mit kompakteren
Antennen erreicht.

Wer lokal unterwegs sein möchte, kann dies ebenfalls tun. Auf UKW
gehen die Bänder in Österreich vom 144-Mhz-Bereich bis hin zu
Millimeterwellen im Gigahertz-Spektrum. Besonders innovativ ist die
sogenannte Relaiskette, bei der zahlreiche Umsetzer
zusammengeschaltet wurden und selbst mit einem Handfunkgerät
Verbindungen von Vorarlberg bis ins Burgenland möglich sind.

Voraussetzung für dieses interessante und vielfältige Hobby ist
eine in drei Klassen unterteilte Prüfung bei der Fernmeldebehörde.
Die Grundlagen können entweder im Selbststudium oder via Onlinekurs
erworben werden. Lernunterlagen liefert der ÖVSV, die Prüfung selbst
ist bei entsprechender Vorbereitung keine Hexerei.

Für den Anfang kann man mit relativ geringen Kosten „QRV“ – was
im Q-Gruppen-Jargon der Funkamateur:innen so viel wie empfangsbereit
heißt – sein, später gibt es bei der Anschaffung von Geräten, Zubehör
und Antennen nach oben keine Grenzen.

Zwtl.: Selbstbau, Tüfteln, Forschen, Experimentieren –
Funkamateur:innen sind Innovationstreiber

Je nach Know-how und Interessenslage sind Funkamateur:innen
praktisch ständig mit Tüfteln und Experimentieren beschäftigt. „Was
vor hundert Jahren mit der Knallfunke begonnen hat, sind heute
digitale Betriebsarten und Datenbytes“, schildert Michael Kastelic,
der Präsident des Österreichischen Versuchssenderverbandes.
„Funkamateur:innen sind oft in Entwicklungs-abteilungen der Firmen zu
finden“, so Kastelic weiter.

Ein Zitat von Prof. Dr.-Ing. Ulrich L. Rohde, Gründer der High
Tech Firma Rohde&Schwarz, im Juli 2025 bekräftigt die Wichtigkeit der
Funkamateur:innen: „Die Amateurfunklizenz ist wichtiger als ein
Unistudium“

Von Aussendungen mit analoger Technik begannen schon vor 30
Jahren die heute zahlreichen Anwendungen, die Computer und Funkgerät
miteinander verbinden. Die Krönung ist für viele der Selbstbau von
Funkgeräten und Zubehör, was trotz starker Konkurrenz durch
kommerzielle Produkte immer noch interessant und herausfordernd ist.
Hier spannt sich dann der Bogen „von der Funkamateurin zur
Ingenieurin und vom Funkamateur zum Ingenieur“ sagt Kastelic, „Bei
mir war es exakt so, dass ich durch mein Wissen über Amateurfunk
einen Job in der Industrie angeboten bekommen habe“.

Zwtl.: Wenn alle Netze ausfallen – Funkamateur:innen sind oft die
letzte Kommunikationsbrücke

Auch in Krisensituationen und bei Naturkatastrophen haben sich
Funkamateur:innen vielfach bewährt. Im schlimmsten Fall können die
Funknetze von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten ausfallen und
die Notrufnummern entweder überlastet oder überhaupt nicht mehr
erreichbar sein.

Kastelic: „Immer wieder trainieren die österreichischen OMs und
YLs für den Ernstfall, mittweile sind eingespielte Teams entstanden,
die bei Bedarf ein Notfunknetz aufbauen und Blaulichtorganisationen
mit Kommunikation unterstützen.“

Zwtl.: Im Wiener Volkstheater geht 2026 die Post ab – mit einem
Theaterstück zum Thema Funk

Am 21. September 2026 stehen im Wiener Volkstheater beim 100-Jahr
-Jubiläum des ÖVSV ganz die rund 8000 heimischen Funkamateur:innen im
Mittelpunkt. Allein die Einladungsliste für diesen Event liest sich
wie ein Who-is-Who der österreichischen Gesellschaft. Geladen sind
unter anderem Bundespräsident Alexander Van der Bellen, gefolgt von
den Bundesminister:innen für Finanzen, innere Angelegenheiten und
Landesverteidigung. Bundesheer, Zivilschutzverbände und
Rettungsorganisationen sind ebenso vertreten wie Vertreter:innen der
Europäischen Weltraumbehörde (ESA), deren Chef aus Österreich stammt.

„Dazu kommen unter anderem Vertreter:innen der
Amateurfunkhersteller, der Telekom-Industrie und der internationalen
Vereinigung der Funkamateur:innen“, liefert Michael Kastelic einen
ersten Vorgeschmack. Der ÖVSV stellt sich ebenso vor wie die
Abteilung Dokufunk, die alle Dokumente seit den 20-er-Jahren des
letzten Jahrhunderts sammelt und auswertet.

Höhepunkt des Abends ist ein eigens für diesen Anlass
geschriebenes Theaterstück, das mit professionellen
Schauspieler:innen uraufgeführt wird. „Lassen Sie sich überraschen“,
empfiehlt Kastelic. Und: „Vielleicht kommt dabei ja der eine oder die
andere auf den Geschmack und absolviert eine der drei möglichen
Prüfungen bei der Fernmeldebehörde. Dann können wir ein weiteres
Mitglied in der großen Gemeinschaft der Funkamateur:innen begrüßen.“

100 Jahre ÖVSV im Volkstheater

Am 21. September 2026 stehen im Wiener Volkstheater beim
100-Jahr-Jubiläum des ÖVSV ganz die rund 8000 heimischen
Funkamateur:innen im Mittelpunkt.

Datum: 21.9.2026, um 19:30 Uhr
Ort: Volkstheater Wien
Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien