Wien (OTS) – Es sollte keiner großen Ansprüche an die Fantasie der
Verantwortlichen bedürfen, sich auszumalen, wie es Schweinen geht,
die ihr gesamtes Leben auf einem steinharten Betonboden mit
scharfkantigen Spalten auf 0,55 m² Platz verbringen müssen. Ah ja, ab
2034/2038 sind es 0,65 m² Platz und auf einem Drittel der Bodenfläche
gibt es nur mehr halb so viele Spalten. Aber aus Sicht der Schweine
ändert sich nichts und ist auch keine Änderung in Aussicht. Dabei
haben 92 % (!) der Schweine auf diesem Boden schmerzhaft entzündete
Gelenke, wie eine wissenschaftliche Studie gezeigt hat, die 948
Schlachtkörper von Schweinen aus Vollspaltenbodenhaltung untersucht
hat. Darüber hinaus beißen sich die Tiere auf diesem Boden Ohren und
Schwänze ab, haben Schnittwunden an den Klauen und vieles mehr. Und
das soll die tierschutzaffine Bevölkerung ignorieren? Oder wie sieht
man in der Regierung die Zukunft der Schweinehaltung?
Heute protestierte der VGT auf der Parlamentsrampe anlässlich der
ersten Plenarsitzung seit der Sommerpause gegen den Schweine-
Vollspaltenboden. „Das ist kein Vollspaltenboden-Verbot. Weg mit § 18
(2a) Tierschutzgesetz“ stand da zu lesen. Dieser Paragraph verbietet
die Haltung von Schweinen auf UNSTRUKTURIERTEM Vollspaltenboden. Beim
schnellen Lesen übersieht man leicht, dass hier nicht der
Vollspaltenboden selbst, sondern nur eine gewisse Form des
Vollspaltenbodens verboten wird. Dieser Trick der Branche und der
Regierung hat dazu geführt, dass breite der Teile der Bevölkerung und
der Medien noch immer glauben, dass der Vollspaltenboden selbst
verboten wurde, aber das ist nicht der Fall. Die Schweine Österreichs
wurden dazu verurteilt, weiterhin für immer auf einem Betonboden mit
scharfkantigen Spalten ohne jede Einstreu und mit nur minimalem Platz
vor sich hin vegetieren zu müssen. Deshalb fordert der VGT
Ehrlichkeit ein: lieber gar keine Bestimmung, als diese gezielte
Verwirrung, die die Bevölkerung nur hinters Licht führen soll.
VGT-Obperson DDr. Martin Balluch dazu: „Seit 2019 ist der
Vollspaltenboden in der Schweinehaltung nun großes Thema in der
Öffentlichkeit. 92 % der Menschen wollen Stroh für Schweine. Die
Alternativen existieren, sind bekannt und könnten jederzeit umgesetzt
werden. In Schweden z.B. gilt schon lange ein Verbot des
Vollspaltenbodens mit Einstreupflicht von Stroh und die Branche
floriert mit 85 % Selbstversorgung. In Österreich, das sich so gerne
im Tierschutz als vorbildlich bezeichnet, hat man sich nach 6 Jahren
dazu entschlossen, statt das Problem zu beheben, die Bevölkerung zu
täuschen. Das ist armselig. Wir werden weiterhin dran bleiben, bis
der Vollspaltenboden in den Mistkübel der Geschichte wandert, wo er
hingehört! “
Pressefotos (Copyright: VGT.at)